Medizinisch geprüft von Dr. med. Meinolf Dorka, Ärztlicher Leiter, zuletzt geprüft September 2026
Haarausfall lässt sich leicht wegerklären. Das Licht im Bad ist gnadenlos. Es war ein anstrengendes Jahr. Ein paar Haare in der Dusche sind normal.
Oft stimmen diese Erklärungen, und manchmal stimmen sie nicht. Sicher sein zu wollen, bevor Sie etwas unternehmen, ist ein vernünftiger Anfang und kein Grund, sich im Rückstand zu fühlen.
Die kurze Antwort
Ob sich Haarausfall stoppen lässt, hängt davon ab, was ihn verursacht. Manche Formen sind vorübergehend und legen sich, sobald der Auslöser vorbei ist. Andere, etwa der erblich bedingte Haarausfall, lassen sich mit einer Behandlung oft verlangsamen und bei manchen Menschen teilweise umkehren. Sie schreiten aber meist weiter fort, wenn die Behandlung endet.
Der erste Schritt ist, die Ursache mit einer Ärztin oder einem Arzt zu klären, bevor eine Behandlung beginnt. Haare, die durch eine Vernarbung der Kopfhaut verloren gehen, wachsen in der Regel nicht nach. Das ist ein Grund, warum bei manchen Erkrankungen eine frühe Abklärung wichtig ist.
Warum die Ursache zuerst kommt
Menschen verlieren normalerweise 50 bis 100 Haare pro Tag. Neue Haare ersetzen sie meist, ohne dass es jemandem auffällt. Sichtbar wird Haarausfall, wenn sich dieses Gleichgewicht verschiebt: Es fallen mehr Haare aus, oder es wachsen weniger nach.
Das Muster gibt den ersten Hinweis. Ein allmähliches Dünnerwerden am Haaransatz oder am Oberkopf bei Männern oder ein breiter werdender Scheitel bei Frauen deutet auf den erblich bedingten Haarausfall hin, die häufigste Form. Plötzlicher Haarausfall über die ganze Kopfhaut, runde kahle Stellen oder Schuppung und Rötung sprechen für andere Ursachen, die anders behandelt werden.
Eine Ärztin oder ein Arzt beginnt in der Regel mit Fragen zu Ihrer Gesundheit, Ihrer Ernährung, Ihren Arzneimitteln, Ihrer Haarpflege und Ihrer Familiengeschichte und untersucht die Kopfhaut. Blutuntersuchungen, etwa zur Schilddrüsenfunktion oder zum Eisenwert, und gelegentlich eine kleine Gewebeprobe der Kopfhaut können folgen. Eine Behandlung, die ohne diese Informationen gewählt wird, zielt möglicherweise auf das falsche Problem.
Wenn Haarausfall von selbst aufhört
Manche Formen von Haarausfall sind vorübergehend. Ein körperlicher oder seelischer Schock, etwa hohes Fieber, eine grössere Operation oder ein Trauerfall, kann einen ausgedehnten Haarausfall auslösen, der oft einige Monate nach dem Ereignis auftritt. Diese Form heisst telogenes Effluvium, und die Haare wachsen in der Regel wieder nach.
Der fleckige Haarausfall bei Alopecia areata, einer Erkrankung des Immunsystems, verläuft weniger vorhersehbar. Die Haare können ohne Behandlung nachwachsen, doch die Erkrankung kann in Schüben kommen und wieder abklingen, und eine Behandlung kann helfen, mit ihr umzugehen.
Vorübergehend heisst nicht, dass man darüber hinwegsehen muss. Starker Haarausfall kann belasten, und eine Abklärung kann die Ursache bestätigen und ausschliessen, dass etwas behandelt werden muss.
Eine zugrunde liegende Ursache behandeln
Wenn der Haarausfall mit einem medizinischen Problem zusammenhängt, richtet sich die Behandlung auf dieses Problem. Gesucht wird unter anderem nach Schilddrüsenerkrankungen, hormonellen Veränderungen, zu wenig Eisen oder Protein in der Ernährung und bestimmten Arzneimitteln. Das zugrunde liegende Problem zu behandeln, kann den damit verbundenen Haarausfall verringern.
Wenn möglicherweise ein Arzneimittel beteiligt ist, sollte es nicht ohne Rücksprache mit der verschreibenden Ärztin oder dem verschreibenden Arzt verändert oder abgesetzt werden. Manchmal wird ärztlich empfohlen, ein Arzneimittel einige Monate zu pausieren, um zu sehen, ob sich der Haarausfall bessert.
Was bei erblich bedingtem Haarausfall wirkt
Der erblich bedingte Haarausfall ist die Form, für die die meisten Behandlungen entwickelt wurden. Einfach beschrieben: Die Haarfollikel schrumpfen allmählich und bilden feinere, kürzere Haare, bis manche gar kein Haar mehr bilden. Ein Hormon namens DHT (Dihydrotestosteron) spielt dabei vermutlich eine Rolle. Klinisch heisst die Erkrankung androgenetische Alopezie.
Minoxidil zum Auftragen auf die Kopfhaut
Minoxidil wird als Lösung oder Schaum auf die Kopfhaut aufgetragen. Es ist eine häufige erste Behandlung des erblich bedingten Haarausfalls bei Männern und Frauen. Es kann Haare nachwachsen lassen, den Haarausfall verlangsamen oder beides, und es muss weiter angewendet werden, damit ein Nutzen bleibt.
Mögliche Nebenwirkungen sind Reizungen der Kopfhaut, Kopfschmerzen und unerwünschter Haarwuchs auf angrenzender Haut, etwa im Gesicht. In der Schwangerschaft und in der Stillzeit wird es nicht empfohlen.
Finasterid-Tabletten
Finasterid ist eine Tablette, die Männer mit erblich bedingtem Haarausfall einmal täglich einnehmen. Es gehört zu einer Gruppe von Arzneimitteln, den 5-Alpha-Reduktase-Hemmern, die die Umwandlung von Testosteron in DHT verringern. Mayo Clinic berichtet, dass viele Männer unter der Einnahme einen langsameren Haarausfall bemerken und manche neues Wachstum sehen, und dass es bei Männern über 60 Jahren möglicherweise schwächer wirkt. Der Nutzen hält nur an, solange es eingenommen wird.
Zu den Nebenwirkungen können weniger Lust auf Sex oder Schwierigkeiten mit der Erektion gehören, ausserdem ein Spannungsgefühl oder andere Veränderungen der Brust sowie allergische Reaktionen. Finasterid kann zudem das Risiko für eine Form von Prostatakrebs mit hohem Tumorgrad erhöhen, und es kann den PSA-Bluttest beeinflussen, der zur Früherkennung von Prostatakrebs dient. Frauen, die schwanger sind oder schwanger werden könnten, sollten zerdrückte oder zerbrochene Tabletten nicht berühren.
Im November 2025 informierte eine mit Swissmedic abgestimmte Sicherheitsmitteilung die Schweizer Fachpersonen über eine Überprüfung europäischer Daten. Diese hat 2025 Suizidgedanken als Nebenwirkung von Finasterid-Tabletten bestätigt, berichtet vor allem bei Personen, die es gegen Haarausfall einnehmen. Eine Patientenkarte wird eingeführt, die diese Risiken zusammenfasst. Wer sexuelle Nebenwirkungen bemerkt, sollte ärztlichen Rat einholen, weil sie zu Stimmungsveränderungen beitragen können.
Wenn sich Ihre Stimmung unter Finasterid verändert
Swissmedic rät, Finasterid abzusetzen und ärztlichen Rat einzuholen, wenn Sie eine gedrückte Stimmung, eine Depression oder Suizidgedanken entwickeln.
Bei Suizidgedanken, bei der Gefahr, sich selbst zu verletzen, oder bei unmittelbarer Gefahr: Sanitätsnotruf 144.
Bei einer unmittelbaren Bedrohung Ihrer Sicherheit: Polizei 117.
Wenn Sie ein Gespräch brauchen: Die Dargebotene Hand, Telefon 143, rund um die Uhr, auf Deutsch, Französisch und Italienisch. Auf Englisch: Heart2Heart, 0800 143 000, täglich 18 bis 23 Uhr. Für Kinder und Jugendliche: Pro Juventute, Telefon 147.
ahtida Health ist keine Notfallversorgung.
Haartransplantation
Bei einer Haartransplantation werden Haare aus einem gut behaarten Bereich der Kopfhaut in dünner behaarte oder kahle Bereiche verpflanzt. Mögliche Risiken sind Schmerzen, Blutungen, Schwellungen, Infektionen und Narbenbildung, und es kann mehr als ein Eingriff nötig sein. Der erblich bedingte Haarausfall schreitet zudem nach der Operation weiter fort.
Möglichkeiten mit weniger Evidenz
Angeboten werden auch Laser-Geräte mit geringer Leistung und Injektionen mit plättchenreichem Plasma. Die Studien zu Laser-Geräten waren klein, und zu den langfristigen Wirkungen braucht es mehr Forschung. Bevor Sie für einen Eingriff bezahlen, lohnt es sich zu fragen, welche Evidenz ihn für Ihre Form von Haarausfall stützt.
Haarausfall bei Frauen
Bei Frauen zeigt sich der erblich bedingte Haarausfall meist als Ausdünnen entlang des Scheitels und über den Oberkopf. Minoxidil zum Auftragen wird häufig zur Behandlung dieser Form von Haarausfall bei Frauen verwendet. Finasterid-Tabletten sind in der Schweiz laut der von Swissmedic veröffentlichten Sicherheitsmitteilung für Männer zugelassen, und Frauen, die schwanger sind oder schwanger werden könnten, dürfen sie nicht anwenden.
Haarausfall bei Frauen kann auch hormonelle Ursachen haben, darunter Schwangerschaft, Geburt und Menopause, ebenso Schilddrüsenerkrankungen und einen tiefen Eisenwert. Ein zurückweichender Haaransatz bei einer älteren Frau verdient besondere Aufmerksamkeit. Mayo Clinic beschreibt die frontale fibrosierende Alopezie, eine vernarbende Erkrankung, als zunehmend häufig bei älteren Frauen und hält fest, dass eine frühe Behandlung helfen kann, weiteren Verlust zu verlangsamen oder zu stoppen.
Wie Sie weiterem Haarausfall vorbeugen
Manchem Haarausfall lässt sich nicht vorbeugen, und der erblich bedingte Haarausfall gehört dazu. Eine schonende Haarpflege kann dennoch helfen, zusätzlichen Verlust zu vermeiden, zum Beispiel so:
- Frisuren vermeiden, die stark ziehen, etwa enge Pferdeschwänze oder Zöpfe;
- aggressive Behandlungen wie Dauerwellen, Blondierungen, Heissöl-Anwendungen und heisse Styling-Geräte begrenzen;
- einen grobzinkigen Kamm verwenden und nicht am Haar zerren, besonders wenn es nass ist;
- genügend Protein und Eisen essen und vor Nahrungsergänzungsmitteln ärztlichen Rat einholen;
- eine dünner behaarte Kopfhaut vor der Sonne schützen.
Was eine Behandlung leisten kann und was nicht
Eine Behandlung kann den Haarausfall verlangsamen und ihn bei manchen Menschen teilweise umkehren. Eine vollständige Wiederherstellung lässt sich aber nicht versprechen. Die Ergebnisse sind von Person zu Person verschieden, hängen von Form und Stadium des Haarausfalls ab und halten meist nur so lange an, wie die Behandlung fortgesetzt wird.
Ärztlich anbieten lässt sich in der Regel ein klarer Blick auf Ursache und Möglichkeiten. Was keine Ärztin und kein Arzt bei einer ersten Abklärung verantwortungsvoll versprechen kann, ist, wie viel Haar Sie behalten oder zurückgewinnen werden und wann. Vereinbaren lässt sich ein Plan, der zur Ursache passt, und Zeitpunkte, an denen beurteilt wird, ob er hilft.
Den Haarausfall nicht zu behandeln, ist ebenfalls eine legitime Wahl. Manche Menschen lassen dem Haarausfall lieber seinen Lauf, andere wählen Frisuren, Hüte oder Perücken. Die Entscheidung liegt bei Ihnen.
Wann Sie Rat einholen sollten
Häufige Gründe, Haarausfall abklären zu lassen, sind:
- plötzlicher oder fleckiger Haarausfall oder deutlich mehr Haare als sonst beim Waschen oder Bürsten;
- Brennen, Juckreiz, Schmerzen oder Rötung der Kopfhaut;
- Haarverlust am Körper zusätzlich zur Kopfhaut;
- ein zurückweichender Haaransatz oder dünner werdende Augenbrauen bei einer Frau, besonders nach der Menopause;
- Haarausfall, der Sie belastet.
Sie brauchen nicht mehrere dieser Punkte, und Sie müssen nicht zuwarten. Plötzlicher Haarausfall kann auf eine zugrunde liegende Erkrankung hinweisen, die behandelt werden muss.
Unterstützung in der Schweiz
Eine Hausärztin oder ein Hausarzt ist bei Haarausfall meist die erste Anlaufstelle. Sie oder er kann Sie an eine Dermatologin oder einen Dermatologen überweisen, also an eine Ärztin oder einen Arzt mit Spezialisierung auf Haut und Haare. In Hausarzt-, HMO- und Telmed-Modellen der Krankenversicherung soll der erste Kontakt über die Ärztin, den Arzt oder den Dienst erfolgen, den Ihr Modell vorsieht. Selbstzahlende können sich auch über digitale medizinische Angebote wie ahtida Health betreuen lassen.
Die Grundversicherung übernimmt Untersuchungen und Behandlungen bei Krankheit, abzüglich Franchise und Selbstbehalt. Ob eine bestimmte Behandlung gegen Haarausfall vergütet wird, lohnt sich vor dem Start bei Ihrer Krankenversicherung zu klären. Wenn der Haarausfall beeinflusst, wie es Ihnen im Alltag geht, ist das bei der ärztlichen Abklärung erwähnenswert, denn es gehört zum Bild, das eine Ärztin oder ein Arzt braucht.
Häufige Fragen
Lässt sich Haarausfall dauerhaft stoppen?
Ist es sicher, Mittel gegen Haarausfall online zu kaufen?
Bezahlt die Grundversicherung eine Behandlung gegen Haarausfall?
Können Frauen dieselben Behandlungen anwenden wie Männer?
Kann ich die Behandlung beenden, sobald sich mein Haar bessert?
Was sollte ich vor der ersten ärztlichen Abklärung notieren?
Woher weiss ich, welche Form von Haarausfall ich habe?
Haarausfall bei ahtida Health
ahtida Health ist eine strukturierte digitale medizinische Klinik. Haarausfall ist einer der Bereiche, in denen ahtida Health medizinische Betreuung anbietet. Konsultationen finden auf Deutsch oder Englisch statt. Mehr über den Ansatz erfahren Sie im Bereich Haarausfall.
Wie es von hier aus weitergeht
Sie müssen heute nichts entscheiden. Wenn Sie so weit sind, können Sie die Behandlungsmöglichkeiten bei Haarausfall bei ahtida Health kennenlernen und erfahren, was eine Beurteilung umfassen kann.
Quellen
- Mayo Clinic. Hair loss: Symptoms and causes. 7. Februar 2026.
- Mayo Clinic. Hair loss: Diagnosis and treatment. 7. Februar 2026.
- Mayo Clinic. Finasteride (oral route): Side effects and dosage. Teile zuletzt aktualisiert am 1. Februar 2026.
- Mayo Clinic. Frontal fibrosing alopecia. 7. November 2025.
- Cleveland Clinic. Hair Loss. Zuletzt aktualisiert am 26. August 2021.
- Cleveland Clinic. Male Pattern Baldness (Androgenic Alopecia). Zuletzt aktualisiert am 9. Dezember 2022.
- Cleveland Clinic. Telogen Effluvium. Zuletzt aktualisiert am 1. Dezember 2022.
- Cleveland Clinic. Alopecia Areata. Zuletzt aktualisiert am 30. August 2023.
- Cleveland Clinic. Finasteride Tablets (Alopecia). Kein Datum auf der Seite angegeben.
- Cleveland Clinic. Frontal Fibrosing Alopecia. Zuletzt aktualisiert am 13. Juni 2022.
- Swissmedic. Finasterid, Dutasterid: Neue Massnahmen zur Minimierung des Risikos für Suizidgedanken. Sicherheitsmitteilung der Zulassungsinhaberinnen in Absprache mit Swissmedic. 17. November 2025.
- Weltgesundheitsorganisation (WHO). Substandard and falsified medical products (fact sheet). 3. Dezember 2024.
- ch.ch (Bundesportal). Notfälle und Gefahren. Kein Datum auf der Seite angegeben.
- 143.ch. How to contact us (Heart2Heart English line). Zuletzt geändert am 7. Dezember 2023.
- ch.ch (Bundesportal). Health insurance benefits. Kein Datum auf der Seite angegeben.
- ch.ch (Bundesportal). Health insurance costs and premium reductions. Kein Datum auf der Seite angegeben.
- ch.ch (Bundesportal). Taking out, changing and cancelling health insurance. Kein Datum auf der Seite angegeben.
